Nein, es geht nicht um das legendäre MicroProse-Spiel von Sid Meier. Das Thema: ein Konzert von Visions of Atlantis im Rahmen der „Armada“-Tour passend zum Album „Pirates II – Armada“, wieder in Stuttgart im Wizemann Club, eine Woche nach dem vorher beschriebenen Threshold-Konzert. D.h. ich hole im Moment rasant den Konzert-Blog-Rückstand auf – eine ganze Woche innerhalb weniger Stunden „abgearbeitet“, für diese Aufholjagd muss ich mir dringend irgendwann selbst Respekt zollen.
Wer Visions of Atlantis nicht kennt – die Band gehört zum Genre „Symphonic Metal“ und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Gestartet als österreichische Formation, ist es inzwischen eher eine multinationale Truppe. Das erste Album stammt von 2004, das Konzert war 2024 – schon wieder ein Jubiläum. Wer sich durch die Alben hört, wird mehrere leichte Stilwechsel erkennen, grob würde ich sagen seit 2019 mit „Wanderers“ hat das Ganze aber recht stabilen Stand erreicht. Man weiß als geneigter Zuhörer, was man bekommt – und das gefällt mir außerordentlich gut. Viele Bands scheinen ja im reiferen Alter immer mehr zu Experimenten zu neigen, zu einer noch komplexeren Musik, vielleicht um die wachsenden musikalischen Fähigkeiten der Bandmitglieder zu illustrieren. Keine Ahnung, jedenfalls gefällt mir bei Visions of Atlantis besonders die Einfachheit der Melodien und Harmonien. Ich habe ja keine Ahnung von Musiktheorie, aber für mich klingt es nach „C-Dur“, meiner Lieblingstonart als ich vor vielen Dekaden noch Klavier gespielt habe. Keine schrägen Töne, keine schwarzen Tasten, simpel und geradeaus. „Simpel“ auf keinen Fall abwertend gemeint – nein, ich empfinde das als harmonisch, erfrischend, positiv. Einfachheit in seiner schönsten Form.
Erwähnenswert ist natürlich auch: männliche und weibliche Singstimme. Und zwar sensationell harmonierend. Kann man nicht genug loben. Ebenso die Abwesenheit von „Harsh Lyrics“ – sehr gut!
Aber beginnen wir am Anfang. Erster Support-Act: Seraina Telli aus der Schweiz. Wie ich hinterher gelesen habe, wird ihr Musikstil oft als „In-your-face-Rock“ beschrieben. Was für eine überaus treffende Beschreibung. Das ist kraftvoll, geradeaus, herzerfrischend, mit einer ansteckenden Leichtigkeit, da kriegt man sofort gute Laune. Eine absolute Empfehlung. Schade, nach etwa 30 Minuten schon wieder vorbei.
Zweiter Support-Act: Illumishade mit der großartigen Fabienne Erni als Frontfrau. Auch aus der Schweiz. Mit interessanter Geschichte – eigentlich nur als Projekt im Rahmen der Masterarbeit von Fabienne entstanden, haben die Musiker danach einfach entschieden, weiterzumachen. Obwohl ich ja dem Genre des Symphonic Metal sehr zugeneigt bin, haben die Melodien hier bei mir nicht „gezündet“. Technisch war das alles vom Feinsten, großartige Musiker, großartiger Gesang. Aber für mich einfach nicht eingängig. Sei’s drum, die 45 Minuten gingen auch so rum, und auch wenn ich jetzt kein Fan wurde, konnte man die Songs ja durchaus ohne genervt zu sein anhören.
Dann endlich Visions of Atlantis. Die Songs der Setlist beschränkte sich auf die letzten drei Alben, mit einem deutlichen Übergewicht des neuesten Albums. Wie oben schon angedeutet, passt das sehr gut zum derzeitigen Stil der Band und ermöglicht ein Set „aus einem Guss“. Showtechnisch schaute ich auf das Profil eines Piratenschiffs, ab und an wurde die große Totenkopfflagge geschwenkt, und die Kleiderordnung auf der Bühne war ebenfalls streng piratisch. Vor dem Konzert hatte ich überlegt, wie lange das Piraten-Thema wohl tragen würde, aber das stellte sich als völlig problemlos heraus. Bleibt abzuwarten, ob das nächste Album „Pirates III“ sein wird. Und was haben Piraten eigentlich mit Atlantis zu schaffen? Kommen die Visionen von exzessivem Rum-Genuss? Fragen über Fragen.
Kann man sagen, ich war bei einem „Alpenrock-Festival“ (einmal Österreich, zweimal Schweiz)? Klingt albern, erinnert mich aber an die großartige „Alpenrock“-Reihe des Bayrischen Rundfunks, das natürlich gänzlich andere Musikgenres zum Inhalt hatte. Aber ich schweife ab. Mein einziger Kritikpunkt ist eigentlich, dass das Set von Visions of Atlantis so kurz war. Knapp 90 Minuten ist mir dann doch etwas zu sparsam. Was das Vernügen nicht schmälerte, solange es währte. Die Lieder sind auch nicht so elendig lang, es passten 16 Songs rein – kurz und knackig scheint das Motto der Performance zu sein. Bei „knackig“ fällt mir nun aber noch ein Kritikpunkt ein: soundtechnisch war es leider nicht so optimal, die Abmischung war extrem schlagzeuglastig. Was sehr schade ist, weil Gesang und Gitarre müssten bei diesen Songs im Vordergrund stehen.